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Arbeitskalender Weinbau Februar 2012

Der Winter hat auch im Januar noch nicht sein gewohntes Gesicht gezeigt. Bis auf kurze Ausnahmen mit einigen Graden unter Null waren die Temperaturen bisher im Allgemeinen sehr mild.

Die Holzausreife ist trotz des frühen Blattfalls, aufgrund des Vegetationsvorsprungs im vergangenen Jahr, gut bis sehr gut. Die Wetterbedingungen haben sicherlich dazu beigetragen, dass die Rebschnittarbeiten bereits sehr weit fortgeschritten sind. Als letztes werden nun die frostempfindlichen Sorten, Junganlagen sowie hagelgeschädigte Weinberge geschnitten.

Rebschnitt nach Hagel

Hagelgeschädigte Fruchtrute
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Hagelgeschädigte Fruchtrute
Im vergangenen Jahr traten gebietsweise sehr starke Hagelereignisse auf. In der Regel sind die Anlagen einige Wochen nach dem Unwetter wieder vollständig ergrünt. Welche Folgeschäden dies für den kommenden Austrieb nach sich zieht, lässt sich nur schwer abschätzen. Mit dem Rebschnitt muss nun der kommende Ertrag gesichert werden. Um die Gefahr von Ausfällen infolge von Augenverletzungen durch den Hagel zu mindern, empfiehlt sich das Stehenlassen mehrerer geeigneter Fruchtruten. Nach erfolgtem Austrieb können die überzähligen Triebe entfernt werden. Teilweise wurden jedoch Triebe nachhaltig geschädigt. Dies ist optisch nicht immer zu erkennen. Durch einen Kontrollschnitt lässt sich verhindern, totes Material als Fruchtrute anzuschneiden.

Bogrebenschnitt
Der Bogrebenschnitt ist auch die nach Hagel anzustrebende Schnittform. Je größer der Schädigungsgrad, umso geringer darf die Biegeintensität ausfallen. Durch einen Biegetest, bevorzugt bei nassem Wetter, lässt sich das Biegeverhalten feststellen. Leitbahnschäden sind im Folgejahr nicht zu erwarten. Alternativ kann auch auf intakte, ausgereifte Geiztriebe abgeleitet werden. Besonders bruchgefährdet sind die Sorten Portugieser, Dornfelder, Lemberger und Acolon.
Flachstrecker/ V- Kurzstrecker
Alternativ kann durch Anschnitt auf ein oder zwei Flachstrecker die Spannung auf den Bogen verringert werden. Liegt die angeschnittene Rute sehr weit vom Kopf entfernt, wird in diesem Fall ein einäugiger Zapfen in Kopfnähe zur Stockerhaltung stehen gelassen.
Beim V- Kurzstrecker werden zwei kurze Ruten angeschnitten, die ebenfalls am oberen Biegdraht in Form eines „V“ festgebunden werden.

Kordonschnitt
Als letzte Möglichkeit bleibt oft nur noch der Kordonschnitt. Um Laubwandverdichtungen zu vermeiden, empfiehlt es sich nur jeden zweiten Trieb auf einen zweiäugigen Zapfen einzukürzen. Je nach Fruchtbarkeit der basalen Augen ist ein leichter Minderertrag zu erwarten. Vor allem beim Trollinger sollte daher auf längere Zapfen geschnitten werden.

Junganlagen
Die Hagelereignisse verursachten teilweise nachhaltige Schädigungen am Stämmchen, welche Eintrittspforten oder Auslöser für Folgekrankheiten sein können. Im Hinblick auf eine langfristig gesunde Anlage ist in diesem Fall der Rückschnitt des Stämmchens oberhalb der Veredlungsstelle zu empfehlen. Um zu vermeiden, dass der nachgezogene Trieb zu Starkwüchsig wird, kann dieser parallel zum vorhandenen Stämmchen hochgezogen werden. Der geschädigte Stamm kann dann Im Folgejahr zurückgeschnitten werden.

Rebholzbeseitigung
Die beste Möglichkeit das Rebholz zu verwerten besteht darin, es als Humuslieferant im Weinberg zu belassen. Wird das Rebholz beim Herausziehen aus dem Drahtrahmen in die Rebgasse geworfen, besteht die Möglichkeit zeit- und kostenschonend mit einem Schlegelmulcher im Mai die Rebholzzerkleinerung zusammen mit dem ersten Mulchgang durchzuführen. Falls ein gesonderter Arbeitsgang zur Rebholzzerkleinerung erfolgt, sollte bei angefrorenem Boden gefahren werden, um die Bodenbelastung so gering wie möglich zu halten.

Pflanzenschutz - Rhombenspanner
Der Rhombenspanner hat teilweise sein Überwinterungsquartier verlassen und konnte beim Rebschnitt mancherorts gesichtet werden. Sobald die Knospenschuppen weicher werden, beginnt der Schädling mit dem Ausfressen der Knospen. Bekannte Problemflächen sollten im weiteren Verlauf gut beobachtet werden und beim Auftreten von Fraßschäden muss abgewogen werden, ob eine Behandlung erforderlich ist.

Esca/ Eutypa

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Befallene Rebstöcke mit Holzpilzen aus dem Esca bzw. Eutypa- Komplex, welche bei starkem Krankheitsverlauf zum Absterben der Reben führen, sollten jetzt aus der Anlage vollständig gerodet werden. Diese werden nach Möglichkeit umgehend verbrannt um ein weiteres Ausbreiten der Krankheit zu verhindern.

Schadmilben in Junganlagen
In vielen Ertragsanlagen ist eine Milbenbekämpfung bei konsequentem Einsatz Raubmilbenschonender Mittel in der Regel nicht erforderlich. In Junganlagen benötigt es einige Jahre bis sich ein ausreichender Raubmilbenbesatz angesiedelt hat. In Verbindung mit dem Rebschnitt kann durch das Anbringen von Fruchtruten aus älteren Anlagen, ein Übersiedeln in relativ kurzer Zeit auf die jungen Reben erfolgen.


Nicole Dickemann
Weinbauberaterin, Landratsamt Heilbronn



 

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