Ertragregulierung durch Traubenhalbierung (2)
23.10.2002 18:22:01
13005: Ertragregulierung durch Traubenhalbierung (2)
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Goetz SLFA-NW
Je früher der Termin gewählt wird, um so schonender ist es für die Trauben, außerdem ist der Arbeitszeitaufwand bei einem frühen Termin geringer, vorausgesetzt es wurden ordentliche Laubarbeiten wie das Ausbrechen überzähliger Triebe und gute Heftarbeiten vorgenommen, so dass die Trauben sehr übersichtlich hängen und keine Laubverdichtungen vorhanden sind. Der früheste sinnvolle Termin einer Traubenhalbierung ist bei abgehender Blüte (Ende Juni bis Anfang Juli), wenn der Verrieselungsgrad festgestellt und der Heuwurmbefall eingeschätzt werden kann. In dieser Phase wächst das Stielgerüst sehr rasch und ist noch sehr zart, sodass Gescheinsteile einfach von Hand mit Daumen und Zeigefinger abgepflückt werden können. Bewährt hat sich diese Methode insbesondere bei den Sorten Cabernet Sauvignon, Merlot, Syrah, Lemberger und Dornfelder, die ein sehr großes und langes Stielgerüst ausbilden. Sinnvoll ist es, dort auszupflücken, wo Trauben später ineinander zu wachsen drohen. Die Belichtung der Trauben wird von Beginn an gefördert, wenn gleichzeitig einzelne Blätter in der Traubenzone mit entfernt werden. Vor allem Trauben mit hohen Beerenansatz sollten zu etwa 2/3 entfert werden, um eine gute Ertragsreduzierung und Qualitätssteigerung zu erhalten. Bei 3 Trauben am Trieb hat es sich bewährt (Dornfelder, Merlot) die beiden unteren jeweils zu dritteln und die Dritte Traube, sofern sie kleiner ist und von der Entwicklung nicht abfällt, ganz zu belassen. So kann das Mostgewicht um bis zu 20° Oe gesteigert werden. (Jahr 2001 bei Dornfelder von 70° Oe auf 90 ° Oe; Ertrag: statt 190 kg/Ar waren es 100 kg/Ar). Als positiver Effekt hat sich das Stielgerüst sehr gut ausgebildet, so dass im Gegensatz zur Kontrolle so gut wie keine Anzeichen von Stiellähme (negative Folge: Mostgewichtsabfall vor allem an den Traubenspitzen und Schultern) zu erkennen waren. Die Trauben waren bis zur Lese sehr stabil, es trat kein Zusammenbrechen des Stielgerüstes auf, wie dies bei der Sorte Dornfelder sehr häufig zu beobachten war, die Reife der Trauben war sehr einheitlich, auch bei den belassenen dritten Trauben. Die Traubenform wird dadurch sehr kugelig, die Beerenschale sehr fest, so dass Botrytis wenig Chancen hat, sich auszubreiten. Ein Abdrücken von Beeren war bei diesen verhältnismäßig lockeren Sorten nicht zu verzeichnen, obwohl die Beeren bei Reife sehr dick augelaufen sind. Teilweise sind aber bei der Sorte Portugieser Einzelbeeren aufgeplatzt, sofern eine gute Wasserversorgung durch Niederschläge gegeben war. Trotz großer Beeren war die Farbausbeute im Wein besser als bei der Kontrolle, was auf die bessere Ausfärbung, praktisch kein Botrytisbefall sowie einer dickeren Beerenschale zurückzuführen war. Für extraktreiche Rotweine bietet sich ein Saftentzug an, um den Nachteil der zu großen Beeren zu kompensieren.
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