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Ulmer-Auslese: Literatur
Im Weintourismus liegen Absatzchancen
Die 57. Württembergische Weinbautagung bot ein breitgefächertes Themenspektrum. Es reichte von Beiträgen zum Weinrecht über Anregungen zur Kundengewinnung bis hin zu Anmerkungen zur Rebsorte Sauvignon blanc und zu Themen des Rebschutzes, des Minimalschnitts und der aktuellen württembergischen Weinerzeugung.
Produzenten von Tafeltrauben sollten unbedingt darauf achten, dass keine Abdrift von Pflanzenschutzmitteln solche Trauben beeinträchtigen. Darauf wies Dr. Kurt Metzger vom Regierungspräsidium in seinem Grußwort zur Eröffnung der 57. Württembergischen Weinbautagung eindringlich hin. Andernfalls seien diese Trauben nicht verkehrsfähig. Einen Schwerpunkt der Tagung bildete das Thema Wein und Tourismus. Friedrich Lörcher von der Lehr- und Versuchsanstalt für Wein- und Obstbau (LVWO) in Weinsberg nannte Beispiele von Vinotheken, die als „zentrale Kommunikationseinrichtung in sehenswerter Architektur“ ein anspruchsvolles Weinangebot mit interessanten Zusatzangeboten koppeln. Als Stichworte dazu nannte er: Touristeninformation, Bauernladen, Kunstgalerie, Museum, Bibliothek, gastronomische Einrichtungen. In Zeiten eines weltweit großen Weinangebots sei es nicht ausreichend, nur auf eine steigende Weinqualität zu setzen. Als bemerkenswerte Beispiele zeigte er Vinotheken in Franken (Iphofen, Dettelbach), in Österreich (Neusiedel, Wagram) und im Südtiroler Kaltern. Als architektonisch herausragend hob er Verkaufsräume im burgenländischen Gols, in Brackenheim und in Weinsberg heraus. Ideal seien „Weintourismuskonzepte“, die zum Beispiel auch Angebote wie „Wohnen beim Winzer“ umfassten. Qualitätsorientierte Weinfreunde seien sehr interessiert daran, sich nicht nur über Weine, sondern auch über die Produktion und die Menschen dahinter zu informieren. Hier zeige sich in Württemberg ein großer Nachholbedarf. An diese Feststellungen knüpfte Evelyn Schmidt an. Auch sie ist bei der Lehr- und Versuchsanstalt tätig. Der Weintourismus wachse ständig. Wein lasse sich hervorragend mit Freude und Lebensart verbinden. Eine tolle Landschaft, ein mildes Klima, gutes Essen und aufgeschlossene Bewohner trügen sehr wirksam dazu bei, den Weinabsatz bei zufriedenen Besuchern zu beleben. Insbesondere Kurzurlauber seien oft Weinreisende. Es habe sich gezeigt, dass bei 75 Prozent der Weintouristen der Weineinkauf ein wesentliches Ziel sei. Neben Preis und Qualität sei ihnen der „Faktor Emotion und Erlebnisse“ besonders wichtig. Doch in Württemberg gäbe es sehr wenige Angebote für einen „Urlaub auf dem Winzerhof“ und noch nicht genügend Gastronomen zeigten „regionale Weinkompetenz“. Auch würden noch zu wenige „Weinerlebnisprogramme“ angeboten. Solche Programme zu entwickeln sei sicherlich schwierig, denn die erforderlichen branchenübergreifenden Aktivitäten beträfen neben Weingütern und Winzergenossenschaften auch Tourismusexperten, Gästeführer, Restaurants und Hotels. Und so bleibe die Frage: „Wollen sich Winzer die mit solchen Angeboten verbundene Mühe machen?“ Ein mit dem Weingenuss verbundenes Thema betraf den Sauvignon blanc, dessen Anbau in Württemberg zunimmt. „Die Rebsorte ist anspruchsvoll im Anbau und in der Kellerwirtschaft“, betonte Dr. Oliver Schmidt von der LVWO Weinsberg. Er sieht den Sauvignon blanc als „hochwertigen, ausdrucksstarken Wein in Württemberg“. Eine Kombination von Stöcken mit dichtem und mit reduziertem Laub, von früh und spät gelesenen Trauben, von Reben aus kühlen und wärmeren Lagen, könne das Potenzial dieser Rebsorte ausschöpfen helfen. Wichtig ist eine reduktive Verarbeitung, eine Oxydation muss unbedingt vermieden werden. Auch sind bei der Vergärung sehr spezielle Hefen nötig. Weiße Flaschen sollen gemieden werden und Schraubverschlüsse sind angebracht. Einzelheiten, wie die der N-Versorgung und einer eventuellen Schwefelung der Trauben bereits im Weinberg, kann man bei der Weinbauschule erfragen. Schmidt zeigte sich überzeugt, dass der Sauvignon blanc dazu beitragen kann, neue Konsumenten zu gewinnen. Über aktuelle Fragen des Weinrechts, insbesondere des EU-Weinbezeichnungsrechts, referierten Dr. Konrad Rühl vom Ministerium für Ernährung und Ländlichen Raum und Assessor Achim Blau vom Deutschen Weinbauverband. Rühl bekräftigte, dass ein Auslaufen des Anbaustopps im Jahr 2015 schwierige Flächen besonders beeinträchtigen würde. Man setze im Ministerium alles daran, verbündete Regionen mit dem Ziel zu gewinnen, eine Freigabe des Anbaus zu verhindern. Die Stützungsprogramme in Baden-Württemberg zur Umstrukturierung und Umstellung von Rebflächen und die in den Richtlinien zur Absatzförderung und zu Investitionen aufgeführten Maßnahmen liefen gut, die Mittel seien noch nicht ausgeschöpft, es könnten noch Anträge eingereicht werden. Der Referent erläuterte die ab 2012 nutzbaren Kategorien „Wein mit geschützter Ursprungsbezeichnung“, „Wein mit geschützter geographischer Angabe“ und „Wein ohne Herkunftsangabe“. Die Änderungen des EU-Weinbezeichnungsrechts sind erforderlich geworden, so der Referent des Weinbauverbands, weil eine Anpassung an die Vorschriften der Welthandelsorganisation (WTO) und an die Kennzeichnungsvorschriften des Lebensmittelrechts erreicht werden müssen. Die ebenfalls als Grund genannte Vereinfachung des Bezeichnungswesens sah Blau skeptisch. Bei den Einzelheiten gibt es noch viele offene Fragen, sie müssen bis zur Jahresmitte beantwortet werden. Über Theorie und Praxis im Rebschutz referierten Dr. Walter Kast und Karl Bleyer von der Lehr- und Versuchsanstalt. Kast stellte fest: „Die Verwirrmethode ist in Württemberg eine Erfolgsgeschichte.“ Diese Methode, so führte Bleyer aus, sei anwendungsfreundlich, nützlingsschonend und habe ein positives Image. Bei der Peronospora-Bekämpfung, so die Referenten, habe sich das OiDiag-System bewährt. Die Festlegung des exakten Zeitpunkts der ersten Spritzung sei sehr wichtig und das System gebe Hinweise auf den Zeitpunkt weiterer Spritzungen. Auch bei der Oidium-Bekämpfung sei es ideal, nach OiDiag vorzugehen. Es sollten nur raubmilbenschonende Mittel eingesetzt werden. Über die Ergebnisse der Versuche mit dem Minimalschnitt in Rebanlagen berichtete Rudolf Fox. In Australien und den USA sei dieses Verfahren wegen des reduzierten Arbeitsaufwands durchaus ein Thema. Steigender Kostendruck, stagnierende Erlöse und der Klimawandel sprechen auch hierzulande dafür, sich mit dieser Methode zu beschäftigen. Zu den Vorteilen dieses Vorgehens zählten: lockere und kleinbeerige Trauben, eine geringe Botrytisanfälligkeit und ein hoher Beerenhautanteil. Nachteile liegen in der reduzierten Penetration von Pflanzenschutzmitteln, vor allem aber in den Übererträgen. Unbedingt notwendig ist deshalb eine konsequente Ertragsregulierung. Dr. Gernot von Hahn
