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Ulmer-Auslese: Literatur
52. Veitshöchheimer Weinbautage/Fränkische Weinwirtschaftstage: Nachhaltigkeit im Fokus
Nachhaltigkeit war das zentrale Thema der 52. Veitshöchheimer Weinbautage/ Fränkischen Weinwirtschaftstage in Veitshöchheim. Sowohl von Seiten des Weinbaus als auch aus Sicht der Kellerwirtschaft wurden die Ist-Situation und Perspektiven für die Zukunft vorgestellt.
In seiner Eröffnungsrede nannte der Präsident des Fränkischen Weinbauverbandes, Artur Steinmann, eine Reihe von Herausforderungen, die die Arbeit der fränkischen Winzer, des Weinbauverbandes und der Gebietsweinwerbung in den kommenden Jahren beeinflussen werden: Ein ganz wichtiges Thema ist die Nachhaltigkeit im Weinbau. Des Weiteren werden der Erhalt der Steillagen, die Liberalisierung des Weinmarktes, die Chancen des neuen Bezeichnungsrechts und die Eroberung neuer Märkte im Mittelpunkt der Aktivitäten stehen. Steinmann ging dabei auch auf das erste Urteil zum Deutschen Weinfonds ein, das die Abgabe für nicht verfassungswidrig erklärt. „Um fränkischen Wein im nationalen und internationalen Wettbewerb erfolgreich zu positionieren, benötigen wir ein gemeinsames, schlagkräftiges Weinmarketing. Damit dieses vernünftig planen und arbeiten kann, braucht es das Bayerische Weinabsatzförderungsgesetz.“ In Vertretung von Landwirtschaftsminister Helmut Brunner war Ministerialdirektor Josef Huber nach Veitshöchheim gekommen. Er zog eine erfolgreiche Zwischenbilanz des Bayerischen Programms zur Stärkung des Weinbaus. Im Fokus stehen hier vor allem Maßnahmen zur Rationalisierung sowohl in der Erzeugung und Verarbeitung als auch in der Vermarktung. Das bis zum Jahr 2014 mit rund elf Millionen Euro ausgestattete Programm umfasst die Umstrukturierung und Umstellung von Rebflächen, Absatzförderung auf Drittlandsmärkten und Investitionen. Für das Jahr 2010 und darüber hinaus sind bereits Investitionen in Höhe von zwölf Millionen Euro geplant, die mit 3,6 Millionen Euro gefördert werden. Huber nutzte die Gelegenheit, um sich von den fränkischen Winzern zu verabschieden, da er in wenigen Tagen in den Ruhestand geht. In seinem Impulsreferat wies Dr. Hermann Kolesch, Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG), auf die drei Säulen der Nachhaltigkeit hin. Mit der ökologischen, ökonomischen und sozialen Nachhaltigkeit werde deutlich, „dass nachhaltige Erzeugung weit mehr ist als die singuläre ökologische beziehungsweise biologische Erzeugungsweise auf der Basis der EU-Verordnung oder eines Anbauverbandes“. Somit sind nachhaltig erzeugte Produkte nicht nur biologisch und umweltverträglich produziert, sondern auch gesund, hochwertig, zu sozialen Standards und zu fairen Arbeitsbedingungen erzeugt. Kolesch berichtete, dass das Produkt Wein sich als Kulturgut deutlich von anderen landwirtschaftlichen Erzeugnissen absetze. Herkunft, Individualität, regionale Typizität und Qualität, die Kulturlandschaft, die Genusskultur und vieles mehr standen bisher im Vordergrund. Zukünftig werde, so Kolesch, dieser Mehrwert durch den Faktor Nachhaltigkeit ergänzt werden. Als Handlungsfelder der Zukunft nannte er die stetige Ökologisierung der weinbaulichen Produktion, die Umstellung der Energieversorgung auf erneuerbare Energien, eine weitgehend CO2- neutrale Weinherstellung, die Umstellung auf eine „grüne“ Beschaffungs- und Vertriebslogistik sowie die Verständigung der Weinwirtschaft auf einen nachhaltigen Erzeugungskodex. Frau Katharina Rieß von der Firma ClimatePartner stellte den CO2-Footprint als Basis für Nachhaltigkeit in der Weinwirtschaft vor. Ausgangspunkt für einen klimaneutralen Wein ist die Ermittlung der Emissionen eines Weinguts und einer Weinlinie. In die Berechnung des CO2- Fußabdrucks für das Weingut (Company Carbon Footprint, CCF) fließen unter anderem ein: der Verbrauch von Strom, Wasser, Heizenergie und Kühlmitteln genauso wie Geschäftsreisen, An- und Abreise der Mitarbeiter sowie Drucksachen und Abfallmanagement. Für eine Weinlinie (Product Carbon Footprint, PCF) werden berücksichtigt: Personalaufwand, Maschinenstunden und Stromverbrauch, Bewässerung, Unterstützungsmaterial, Düngemittel und Pflanzenschutzmittel sowie önologische Behandlungsmittel, Behälter, Getränkeverpackung, Verschlüsse, Kapseln, Transporte und so weiter. Die entstandenen und kurzfristig nicht vermeidbaren Emissionen können durch die Unterstützung von Klimaschutzprojekten (Kauf von Emissionszertifikaten) kompensiert werden. Auf diese Weise hergestellte Lebensmittel dürfen als klimaneutral gekennzeichnet werden. „Die Nachfrage nach nachhaltig produzierten Lebensmitteln wächst enorm. Die Klimaneutralität ist eine wertvolle und wichtige Ergänzung für regionale und ökologische Produkte“, berichtete Rieß. Durch eine Reduktion der Treibhausgase besteht für jeden Winzer die Möglichkeit, einen aktiven Beitrag zur weltweiten Senkung des CO2-Ausstoßes zu leisten sowie eine Kostensenkung durch einen reduzierten Ressourcenverbrauch zu erzielen. In Zusammenarbeit mit dem Fränkischen Weinbauverband, dem Bezirk Unterfranken und der LWG wird im Rahmen eines Pilotprojektes derzeit der „CO2-Footprint“ bei 17 fränkischen Weinbaubetrieben berechnet. Im Bereich der Weinbereitung ist Nachhaltigkeit ebenfalls ein ganz aktuelles Thema. Hans-Jürgen Köhler, LWG, nannte hier beispielsweise Maßnahmen zur Wärmedämmung, Einsatz energieeffizienter Verfahren und Technologien, Einsatz regenerativer Energieträger inklusive Solarenergie, Nutzung von Nebenerzeugnissen zur Herstellung von Biogas/Bioethanol, Optimierung von Arbeitsabläufen, Abfallvermeidung und Schonung der Ressourcen. „In den letzten 50 Jahren erhöhte sich der Kohlendioxid- Gehalt der Atmosphäre von 315 ppm um nahezu 25 Prozent auf nunmehr etwa 385 ppm und es wird erwartet, dass er Mitte dieses Jahrhunderts auf 550 ppm weiter ansteigen wird“, erklärte Josef Herrmann, LWG. Bei steigenden Kohlendioxid-Gehalten in der Atmosphäre wird in allen Untersuchungen eine Förderung der Stoffproduktion der Pflanzen festgestellt. Man spricht hier auch von „CO2- Düngung“. Es gibt Hinweise darauf, dass sich in der Folge die Relation von Stoffwechselprodukten innerhalb der Pflanzen erheblich verändern werde. So zog Herrmann das Fazit, dass die Klimaveränderungen in unseren Breiten auf der einen Seite zu einer erheblichen Verbesserung und Stabilisierung der Traubenerträge und der Zuckergehalte in den Trauben führen. Auf der anderen Seite entstünden aber auch völlig neue Herausforderungen, die potenziellen Vorteile, angesichts neuartiger biologischer, mikrobiologischer und physiologischer Bedingungen, für die Ernährung und Verbesserung der Weinqualität zu sichern. Schon heute werden bei reifen Trauben relativ niedrige N-Gehalte gemessen. „Neben der immer schärferen Vorklärung und den niedrigeren Gärtemperaturen ist sicher auch ein Defizit bei der Hefeernährung dafür verantwortlich, dass immer häufiger Gärschwierigkeiten und negative Aromaveränderungen bei der alkoholischen Gärung auftreten“, sagte Johannes Burkert, LWG. Ein Mangel an hefeverwertbarem Stickstoff während der Gärung könne dazu führen, dass Schwefelwasserstoff, der normalerweise bei der Synthese schwefelhaltiger Aminosäuren metabolisiert wird, im Überschuss vorliegt und in das Gärgut übergeht, was sich geruchlich durch einen Böckser wahrnehmen lässt. Burkert machte deutlich, dass die Kellerwirtschaft sich unbedingt auf die Auswirkungen des Klimawandels einstellen müsse. Den Abschluss der zweitägigen Veranstaltung bildete eine umfangreiche Lehrweinprobe, wobei Weine aus PET-Flaschen, Tetra Pack und Bag-in-Box genauso vertreten waren wie CO2- neutrale Weine und eine breite Palette ganz unterschiedlicher fränkischer Silvaner. Brendel
