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Re: Wein Filtern mit Vinoferm 11l Druckbehälter - 30.07.2010 12:40:55
Mark_Twain

Re: Rebschutz - 29.07.2010 14:54:35
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Interview mit Dipl.-Ing. Robert Steidl (Klosterneuburg)

Robert Steidl ist seit 1988 an der Höheren Bundeslehranstalt und Bundesamt für Wein- und Obstbau in Klosterneuburg tätig, seit 1995 als Leiter der Abteilung Kellerwirtschaft. Er ist Mitautor von fünf Büchern aus der Reihe Winzerpraxis.

Friedrich Springob: Die Erfolge des österreichischen Weins in den letzten Jahren machen den Glykolskandal vergessen. Was sind Ihrer Meinung nach die Erfolgsfaktoren?
Robert Steidl: Allein die Frage zeigt schon, dass der Skandal noch nicht so vergessen ist, obwohl seitdem fast zwanzig Jahre verstrichen sind. Aus meiner Sicht macht den heutigen Erfolg des österreichischen Weines eine konsequente Hinwendung zur qualitätsorientierten Produktion schon im Weingarten, gepaart mit verstärkter Flaschenvermarktung und einer Abkehr vom Fassweinverkauf, sowie auch eine Schärfung des Konsumentenbewusstseins für Qualität.

FS: Lassen sich diese Faktoren auch für den deutschen Weinbau nutzbar machen?
RS: In Österreich gibt es eine vom Weingesetz geregelte Höchstertragsmenge von 9.000 kg/ha für Qualitätsweinproduktion. Aus meiner Sicht ist im deutschen Weinbau mit Qualitätserhöhung im Weingarten durch angepassten Ertrag noch einiges zu holen.

FS: Erfolge feiern nicht zuletzt Neuzüchtungen wie der Zweigelt, sehen Sie ähnliche Chancen für den deutschen Dornfelder & Co.?
RS: Die „Neuzüchtung“ ist mittlerweile 81 Jahre alt..... Wirklich neu sind die in den letzten Jahren erfolgten pilzresistenten Klosterneuburger Neuzüchtungen Roesler und Ràthay. Gute und erfolgreiche Rotweine haben in Österreich einen Hektarertrag von 4.000 bis 6.000 kg – sozusagen durch natürliche Konzentrierung am Rebstock. Diese Regel lässt sich aus meiner Sicht auch für die Chancen der deutschen Rotweine umlegen.

FS: Ebbt der Rotweinboom zur Zeit nicht schon ab? Ergeben sich daraus etwa auch neue Trends in der Kellerarbeit?
RS: In Österreich steigt die Nachfrage nach Rotwein nach wie vor. Neben der Vinifizierung von Weinen im internationalen Stil – dicht, mit Holzeinsatz - erfolgt aber auch die Rückbesinnung auf den gebietstypischen Charakter von Zweigelt und Blaufränkisch. Vermehrte Anstrengungen im Keller werden unternommen, um die Fruchtigkeit der Sorte hervorzuheben, das bedeutet neben kontrollierter Vergärung auch den Einsatz neuer Verfahren wie Kaltmaceration vor der Gärung oder Maceration Carbonique. Dies stellt aber auf Grund des Aufwandes nur eine Facette der Vinifikation dar.

FS: Gibt es etwa auch, was den Flächenanteil der Rebsorten angeht, neue Trends in Österreich?
RS: Der Trend ist einfach zu beschreiben: mehr Rotwein. Das bedeutet aber nicht, dass der Weißweinanteil drastisch zurückgehen wird. In Niederösterreich werden vorhandene Weingartenflächen vornehmlich mit Zweigelt wieder neu bestockt. Im Burgenland werden die weniger geeignete Weißweinsorten auf Rotwein getauscht. In Summe bedeutet dies mehr Rotwein, ohne dass der Weißwein merklich zurückgehen wird.

FS: Profitieren auch die österreichischen Weine vom beginnenden Riesling-Trend?
RS: Riesling hat auch in Österreich ein hohes Image, aber doch nur einen niedrigen Anteil an der Gesamtweinproduktion. Auch wenn beim Wort Riesling (fast) jeder aufmerkt - aus meiner Sicht spielt sich der sogenannte Rieslingtrend nur in einem kleinen Spitzensegment ab. Wenn schon, dann gibt es in Österreich eher einen Zweigelt-, Blaufränkisch- und Veltlinertrend.

FS: Wie reagiert man in Klosterneuburg auf neue Entwicklungen? Machen sich die im Lehrplan bemerkbar?
RS: Klosterneuburg ist als Bundeslehranstalt nicht nur die einzige Schule mit höherer Ausbildung für Wein- und Obstbau in Österreich, sondern hat als Bundesamt die Funktion als Gutachter und Berater für das Ministerium in fachlichen Belangen. Gerade am Züchtungssektor hat Klosterneuburg eigene neue Sorten herausgebracht, nach denen viel Nachfrage besteht und somit selbst zu Neuentwicklungen beigetragen. Durch die Mitwirkung in vielen auch internationalen Gremien wie z. B. dem Internationalen Weinamt (OIV) in Paris und in EU-Kommissionen haben wir den Finger am Puls der Zeit.
Da die zuständigen Fachleute auch den entsprechenden Fachunterricht haben, können Neuerungen auch rasch an die Studierenden weitergegeben werden.

FS: Wie ist das Weinmarketing in Österreich strukturiert?
RS: In Österreich gibt es eine gemeinschaftlich finanzierte „Österreichische Weinmarketingservicegesellschaft“, die das Dachmarketing für alle Produzenten vornimmt. Neben inländischen Veranstaltungen wie den „Salon Österreichischer Wein“ (die 200 besten Weine) und Aktivitäten wie „Junger Österreicher“ oder “Spargelwein“, sorgt die ÖWM für Präsentationen außerhalb Österreichs und gibt auch Hilfestellung für Produzenten die ins Ausland gehen wollen. Diese Einrichtung ist sehr aktiv und hat sich sehr bewährt, um einen gemeinschaftlichen Auftritt des Österreichischen Weins zu erreichen


 

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